Angioplastie : Aufdehnen verengter Schlagadern mit einem Ballon
Bei der Angioplastie handelt es sich es um ein minimal-invasives Verfahren, bei dem durch einen etwa 2 mm durchmessenden Einstich in der Leistengegend ein Katheter in das Gefäßsystem eingebracht wird. Mit einem Ballon wird dann die verengte Schlagader von innen aufgedehnt. Zur Stablisierung wird oft eine Gefäßstütze verwendet (englisch „Stent“), um eine Verschleppung von arteriosklerotischen Material aus der Gefäßwand zu vermeiden.
Der Stent ist eine winzige, maschenförmige Metallröhre, die eine gitterartige Netzstruktur aufweist. Im Falle der Halsschlagadern wird ein so genannter selbst expandierbarer Stent verwendet, der in einem dünnen Plastikschlauch geliefert, und so an den Ort der Engstelle im Gefäßsystem geschoben wird. Das Applikationssystem besteht aus zwei Teilen einer äußeren Hülle und einem inneren Träger, die gegeneinander verschoben werden können. Zieht man die äußere Hülle zurück, entfaltet sich der Stent aufgrund seiner Eigenspannung von ca. 2 mm auf seinen definierten Normdurchmesser (zum Beispiel 10 mm).
Diese Selbstentfaltung könnte man mit einer Springfeder vergleichen. Durch das Maschenwerk des Stents wird das Gefäß offen gehalten und beetartige Auflagerung der Gefäßhaut (Plaques) gegen die Wand gedrückt. Dadurch kann das Blut wieder unbeeinträchtigt zum Gehirn fließen. Ein vor der Aufdehnung ins Gefäß eingebrachter Filter (Protektionssystem) verhindert, dass sich eventuell abgelöste Teile aus arteriosklerotischen Ablagerungen ins Gehirn abgeschwemmt werden und dort eventuell Schäden verursachen.
Der Vorteil für den Patienten liegt auf der Hand. Eine Operation, die mit Narkose und großem Hautschnitt verbunden wäre, wird vermieden. Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung ohne Narkosearzt. Meist können die Patienten schon am Folgetag die Klinik verlassen. Insbesondere entfällt der bei großeren Gefäßeingriffen oft nötige Aufenthalt auf einer Intensivstation.
Eine Besonderheit des Carotis-Stentings ist dabei die Verwendung so genannter Protektionssysteme. Dabei handelt es sich um Schutzmechanismen (Ballon oder Filter) mit denen der Blutstrom zum Gehirn umgeleitet oder gefiltert wird, um Komplikationen durch Partikelverschleppung ins Gehirn zu verhindern. Dies sind teure High-tech-Produkte, die erst seit kurzem verfügbar sind. Die Schutzsysteme dienen dazu Komplikationen, die ihrerseits zum Schlaganfall führen könnten, zu minimieren.
Bei der ersten in Landshut behandelten Patientin handelte es sich um eine 79jährige Patientin, bei der anlässlich eines leichten Schlaganfalls vor einem Jahr eine Einengung der rechten Halsschlagader diagnostiziert wurde. Die Patientin wurde daraufhin im Herbst an der Halsschlagader operiert. Bei wieder neu auf getretenen Beschwerden wurde eine erneute Einengung an der selben Stelle festgestellt. Da eine erneute Operation an der selben Stelle mit einem erhöhten Risiko verbunden ist wurde die Patientin in der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie vorgestellt. Der neue Chefarzt der Radiologie, Privatdozent Dr. med. Hans-Peter Dinkel, der als Spezialist für interventionelle Verfahren von der Universität Bern kommend, seit Anfang Juli am Klinikum tätig ist, hat nach Beratung mit Oberarzt Dr. Schober von der Gefäßchirurgie die Behandlung mit der Stentmethode vorgeschlagen. Das Carotis-Stenting wurde von Chefarzt Dr. Dinkel zusammen mit seinem Oberarzt Dr. Gerhard Oberst und dem Angiographieteam am letzen Freitag durchgeführt. Die etwa einstündige Intervention verlief sehr erfolgreich und ohne Komplikationen. Unter Verwendung eines Okklusionssystemes für die Einstichstelle an der Leiste konnte die Patientin noch am selben Tag mobilisiert werden. Die Patientin war sehr glücklich mit dem Ausgang des Eingriffs und bedankte sich herzlich beim Interventionsteam.
Chefarzt Privatdozent Dr. Dinkel und Oberarzt Dr. Oberst führen die Methode aber auch bei anderen Patienten mit Einengungen der Halsarterien an. Aber nicht alle Einengungen müssen behandelt werden. Nach Auffassung von Chefarzt Dr. Dinkel und Oberarzt Dr. Gerhard Oberst muss die Indikation stimmen. Das heisst, die Einengungen sind symptomatisch, gehen mit einem leichten Schlaganfall einhergehen oder sind derart hochgradig, dass diese Behandlung gegenüber einer rein medikamentösen Therapie von Vorteil ist. Wichtig sei vor allem ein interdisziplinärer Ansatz mit Besprechung der Fällen zwischen den Fachgebieten.
Besonders gefährdet eine Einengung der Carotis oder andere Formen der Arteriosklerose zu entwickeln, sind Raucher, Diabetiker, Patienten mit hohen Blutfetten oder hohem Blutdruck. Die Erkrankung lasse sich leicht mit einer Ultraschalluntersuchung der Halsarterien („Doppler“) entdecken. Zur weiteren Abklärung wird dann eine Kernspinuntersuchung oder eine Katheterangiographie durchgeführt. Egal ob Stent, Operation oder medikamentöse Behandlung, Ziel muss immer sein, Schlaganfälle zu vermeiden.